Sonntag, 19. Mai 2013

Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die Toten vom See



Polizeireporterin Grappa freut sich über eine Dienstreise nach Italien. Der Anlass ist allerdings weniger freudig, denn am Lago Maggiore wurden eine Bierstädter Familie und ein israelischer Journalist ermordet.
Wenig erfreulich ist auch, dass Grappas Freund Hauptkommissar Friedemann Kleist in Italien eine sehr attraktive Dolmetscherin zur Seite gestellt wird. Gut, dass Grappa nicht besitzergreifend und eifersüchtig ist…
Vollends unerfreulich wird der Aufenthalt am Lago Maggiore, als sich herausstellt, dass die Ursache für die Morde in der unschönen Vergangenheit dieses schönen Sees liegt. Hier hatte die SS Juden ausgeplündert und ermordet.
Eine Spur führt in Bierstadts Neonazi-Szene, die immer stärker und brutaler wird. Das bekommt auch Grappas Lieblingsbäckerin Anneliese Schmitz zu spüren, die sich einer antifaschistischen Bürgerinitiative angeschlossen hat.
Beharrlich wie immer ermittelt Grappa und deckt die Verbindungen zwischen den aktuellen Verbrechen und den Geschehnissen in der NS-Zeit auf. Und was hier über das Erstarken der Neonazi-Szene geschrieben wird, ist leider nicht erfunden, sondern traurige Wahrheit.
Ich mag diese Krimi-Reihe, die stets aktuelle politische Ereignisse aufgreift, sehr gern. Mir gefällt besonders Grappa mit ihrer Sturheit und mit ihrer leicht chaotischen Herangehensweise. Sie findet immer wieder unkonventionelle Wege, um herauszufinden, was sie wissen möchte. Das liest sich flüssig, zumal auch der Humor nicht zu kurz kommt.
Diese Krimi-Reihe ist einfach gut und wird immer besser.  
© Petra Samani, Mai 2013

Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die Toten vom See. ISBN 9783894254186. Flexibler Einband, 224 Seiten, erschienen am 16.05.2013 bei Grafit

Donnerstag, 16. Mai 2013

Marie Matisek: Mutter bei die Fische



Falk Thomsen hat es sich auf der Insel Heisterhoog gemütlich eingerichtet und freut sich auf eine ruhige Saison. Seine Strandkörbe stehen bereit, und die Sommergäste können kommen.
Allerdings muss Falk erst einmal in der Kurverwaltung einspringen und sich um das Marketing der Insel kümmern. Damit ist dieser liebenswerte Chaot natürlich völlig überfordert, und so kommt es, dass ein Filmteam auf der Insel einfällt, mit dem Falk sich nun herumschlagen muss.
Dann kommt auch noch seine Mutter zu Besuch, was die Ruhe ebenfalls stört. Andererseits ist Falk froh, dass es seiner Mutter, seitdem sie mit dem Fischbudenbesitzer Piet angebandelt hat, endlich einmal so richtig gut geht.
Ausgerechnet jetzt taucht jedoch sein Vater, oder besser gesagt, Erzeuger, auf der Insel auf. Falk versucht alles, um ein Treffen seiner Eltern zu verhindern und kann sich kaum noch um seine geliebte Gina kümmern. Dabei hat auch sie eine dicke Überraschung auf Lager.
Wie schon im ersten Band fühlt man sich durch dieses Buch wieder direkt an den Nordseestrand mit seinem typischen Menschenschlag versetzt.
Skurril-liebenswerte Charaktere, eine warmherzige, mit Humor und viel Situationskomik erzählte Geschichte und ein wenig Inselkolorit verbinden sich zu einer netten Sommerlektüre.
© Petra Samani, Mai 2013

Marie Matisek: Mutter bei die Fische. ISBN 9783471350751. Fester Einband, 256 Seiten, erschienen am 12.04.2013 bei List

Mittwoch, 15. Mai 2013

Marc Ritter: Herrgottschrofen



Karl-Heinz Hartinger, genannt Gonzo, schafft es immer wieder, sich unbeliebt zu machen. Dabei wollte er doch nur einen alten Schulkameraden begrüßen, der mit seinem Bagger ein Großereignis in Garmisch-Partenkirchen vorbereitet.
Anlässlich der Olympiabewerbung soll die Infrastruktur ausgebaut werden, und zum Anstich einer Probebohrung für einen geplanten Tunnel wird in wenigen Tagen der Ministerpräsident erwartet. Da gibt es viel vorzubereiten und zu baggern.
Leider ist die Neugier des Lokalreporters Hartinger zu groß, und er findet – mal wieder – eine Leiche. Jedenfalls teilweise. Genauer gesagt, er findet ein unvollständiges Skelett auf der Baustelle. Natürlich werden daraufhin die Bauarbeiten sofort gestoppt, und Hartinger zieht einmal mehr den Zorn des profilierungssüchtigen Bürgermeisters Meier auf sich.
Der allgegenwärtige Filz, äh, die gute Zusammenarbeit der Institutionen sorgt dafür, dass Hartinger erst einmal aus dem Verkehr gezogen wird.
Denn nachdem sich abzeichnet, dass Garmisch-Partenkirchen nicht den Zuschlag für die olympischen Winterspiele bekommen wird, tauchen Ideen auf, wie man den nun nicht mehr für den Verkehr benötigten Tunnel trotzdem gewinnbringend einsetzen könnte.  
Aber Hartinger wäre nicht Hartinger, wenn er es nicht trotz aller Schwierigkeiten und trotz seines anstrengenden Privatlebens schaffte, die Planungen der örtlichen Honoratioren gehörig zu behindern.
Dieser Krimi hat mir sogar noch besser gefallen als der erste Band.
Marc Ritter schafft es wunderbar, den kommunalpolitischen Sumpf eines bayerischen Ortes mit seinen korrupten Akteuren und deren Hinterzimmerabsprachen darzustellen. Dabei prallen oft genug unterschiedliche Interessen aufeinander, sehr zur Freude der Beobachter.
Wie schon im ersten Band der Reihe glänzt der Bürgermeister mit seiner Fähigkeit, durchweg in Worthülsen zu sprechen. Diesmal kommt auch der Ministerpräsident vor, und dessen, äh, eigenwillige, Art der Artikulation hat man beim Lesen ständig im Hinterkopf.
Dieses Buch hat einen herrlichen Humor, der nicht ins Alberne abgleitet, und auch einmal ein wenig böse sein darf.
Sehr schön fand ich auch die überraschenden Wendungen, bis hin zum unerwarteten, aber logisch-konsequenten, Ende.
Dieses Buch hat mir sehr viel Spaß und angenehme Lesestunden bereitet.
© Petra Samani, Mai 2013

Marc Ritter: Herrgottschrofen. ISBN 9783492301091. Flexibler Einband, 352 Seiten, erschienen am 12.03.2013 bei Piper

Heike Denzau: Marschfeuer



Ein Feuerteufel geht in der Wewelsflether Kleingartenkolonie um, und in einer niedergebrannten Hütte wird ein Toter gefunden. Der Russlanddeutsche lebte seit 30 Jahren in dieser Hütte und wurde „Hühner-Waldi“ genannt. Gleichzeitig verschwindet ein Unternehmer, der Werftbesitzer Jacobsen.
Oberkommissarin Lyn steht vor der Frage, wie diese beiden Fälle zusammenhängen können. Der einzige Zusammenhang ist der Hinweis auf eine Gruppe Jugendlicher. Aber die halten dicht.
Dass ihr Kollege Hendrik endlich ihre Beziehung öffentlich machen will, bereitet Lyn zusätzlichen Stress.
Auch in diesem zweiten Band der Reihe hat mir besonders die Protagonistin gefallen. Gwendolyn, genannt Lyn, ist eine sympathische Ermittlerin, die den sehr wirklichkeitsnah dargestellten Spagat zwischen dem Alltag einer Alleinerziehenden und einer anspruchsvollen Berufstätigkeit stemmen muss. Auch die anderen Charaktere wirken lebendig.
Die erzählte Geschichte fand ich besonders wegen der Informationen über die Werften interessant. Und das Ende dieses spannenden Krimis hat mich wirklich überrascht.
Jetzt freue ich mich auf den nächsten Band dieser Reihe.
© Petra Samani, Mai 2013


Heike Denzau: Marschfeuer: ISBN 9783897059191. Flexibler Einband, 237 Seiten, erschienen am 13.03.2012 bei Emons

Sonntag, 12. Mai 2013

Alexiev Gandman: Traum, Reise, Nudelwalze



Kleine Kinder mögen keine Wartezeiten. Man muss sie also dauernd beschäftigen, damit sie nicht anfangen zu quengeln, und dafür immer etwas in der Tasche bereithalten.
Wartezeiten können aber ziemlich lang sein, zum Beispiel beim Kinderarzt. Damit man nicht so viel mit sich herumschleppen muss, ist es praktisch, etwas dabei zu haben, womit man ein Kind möglichst lange am Stück beschäftigen kann.
Dieses Bilderbuch ist perfekt dafür. Es ist dünn und wiegt nicht viel, hat aber sehr viel Inhalt, der die Aufmerksamkeit eines Kindes lange fesseln kann.
Auf dem ersten Blick ist dies ein ganz normales Bilderbuch mit einer kleinen Geschichte zum Vorlesen. Erzählt wird ein Traum, der durch außerirdische Türme in eine Fischburg führt.
Das Ungewöhnliche daran sind die Bilder. Sie sind völlig in Schwarz-Weiß gezeichnet, mit unzähligen Einzelheiten und schön schräg.
Im hinteren Teil des Buches werden Fragen zu jeder Buchseite gestellt. Zum Beispiel sollen Sterne oder Uhren gezählt, Berufe benannt und Formen erkannt werden. (Die Antworten sind auf der darauf folgenden Seite.) Das bietet gute Gelegenheiten, ein Kind abzulenken.
Kurz gesagt, es ist ein wunderbares Bilderbuch und dabei auch noch praktisch.

© Petra Samani, Mai 2013

Alexiev Gandman: Traum, Reise, Nudelwalze. ISBN 9783943223415. Fester Einband, 36 Seiten, erschienen am 27.03.2013 bei Vielflieger. 
(Das Buch erscheint außerdem auch als eBook im iBook Store, bei Amazon für den Kindle Fire und als PDF Version, ich persönlich finde allerdings die Papierform schöner, gerade für kleine Kinder.)